Sneak-Review — The Thing

Okay. Weil uns nichts neues einfällt, wärmen wir einen Film auf, der in den Achtzigern groß war. Ein Remake zu machen wäre fatal, weil die Fans dann “GAB’S SCHON! KACKE!” schreien. Vielleicht tun wir auf “Wie alles begann” und übernehmen die Story trotzdem komplett? Ein Remake-Prequel? Ein Premake? Ein Requel? Oh, und lasst den alten Namen stehen, vielleicht merkt’s ja keiner.

The Thing 1

Kalenderwoche 44 — The Thing

Kate Lloyd (Mary Elizabeth Winstead) ist eine junge Wissenschaftlerin, die auf Dinge-aus-dem-Eis-holen-und-angucken spezialisiert ist und sich sehr glücklich schätzen kann. Nicht nur, dass sie die einzige Rolle erwischt hat, die länger als fünf Sekunden vom Film erklärt wird: Sie wird auch noch dazu eingeladen, in der Antarktis ein ganz besonderes Stück gefrorenes Etwas zu untersuchen. Da haben ein paar Norweger nämlich ein Alien gefunden, gleich neben dem gigantischen Raumschiff.

Die unbekannte Spezies der dritten Art wird aus dem Eis geschlagen und zum Auftauen sowie Untersuchen in eine Holzhütte gelegt. Es kommt, wie es kommen muss: das Ding reißt aus und verhält sich äußerst unartig. So fährt es Spinnenbeine und Stacheln aus, zerfetzt willkürlich nett singende Skandinavier und nimmt deren Identität an. Ohne ersichtliche Unterscheidungsmerkmale zwischen Menschen und Monstern versucht das Forschungsteam, den Alien-Virus an der Verbreitung zu hindern.

Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden The Things aus 1982 und 2011: keiner. Der neue hört da auf, wo der alte anfängt. Namen und Geschlechter der Charaktere variieren, doch beide Forschergruppen durchleben den gleichen Weltraummutantenwahnsinn. Dass sich die Macher in Sachen Story einschränken, wenn sie den grunderneuerten The Thing als Vorgeschichte fungieren lassen, ist klar. Das bedeutet allerdings nicht, dass schnell Langeweile aufkommt. Damit das neue Team das alte finden kann, muss nämlich ordentlich gestorben werden. Diesmal eben durch 3D-generierte Alien-Ausgeburten statt durch Gummi-Attrappen.

Schön ist, dass einige Details aus dem Original bewusst zitiert werden, so zum Beispiel die aliensaftbeschmierte Axt in der Wand oder die Kiste mit Granaten. Auseinanderspaltende Köpfe, blutige Tentakel und fiese Monster aus zusammengemorphten Leichen sorgen für ordentlich Ekel, verdrängen aber die wenigen echten Schocker, die einem Film wie diesem gut tun.

The Thing 2

The Thing ist wie Dead Space minus Weltraum plus kaltes Schmuddelwetter. Das “Wer ist infiziert und wer nicht”- bzw. “Wer stirbt als nächstes”-Fragespiel sorgt dafür, dass die gut 100 Minuten Filmmaterial relativ spannend vorüberziehen. Wie schon in der Vorlage wird nicht viel Wert auf Charakterentwicklung gelegt, was hinsichtlich des Genres wirklich keine Schande ist.

Gutes Ding: Winstead macht sich als hartes Mädchen am Flammenwerfer echt gut und spielt endlich eine etwas anspruchsvollere Rolle als das Nerd-Girl mit pinken Haaren oder die billige Cheerleaderin.

Meh: Schlechtes Sound-Design mit VIEL zu lauten Alien-Schreien, die sich mit bei lautem Kinosound wie Klospülungen im Gitarrenverstärker anhörten; Ein namen- und charakterloses Roster aus Schauspielern, deren Rollen selten über “Norweger, bärtig, kommt gut mit kaltem Wetter klar” hinausgehen.

Das Verdikt

Betrachten wir den Urwald schlechter Remakes, der das amerikanische Kino in kürzester Zeit durchwuchert hat, stellen wir fest, dass The Thing eines der etwas besseren Beispiele darstellt. Der Film sieht gut aus und weiß auf altbewährte Art und Weise zu unterhalten, ist dabei aber nicht annähernd so bahnbrechend wie die 30 Jahre ältere Vorlage.

Ein Thing-Remake funktioniert ungefähr wie die zehntausendste Fortsetzung von Final Destination. (Gar nicht so verwunderlich, dass Drehbuchautor Eric Heisserer auch für Final Destination 5 und das Freddy-Remake verantwortlich ist.) Hier wird alles schön auf die aktuelle Technik angepasst und dann das beste gehofft. Genre-Fans und ahnungslose Sneak-Besucher müssen sich den Kram ja sowieso ansehen.

Bekommt man für sein Geld genug Ekel und Unterhaltung, um sich nicht permanent nach dem tollen Original zu sehnen? Ja. Hätte die Welt diesen Film unbedingt gebraucht? Nee. Ich find’s okay.