Sneak-Review — The Descendants

Es gibt da eine Reihe von beliebten Lückenfüllern, auf die Regisseure bei akutem Ideenmangel zurückgreifen: Völlig abgedrehte Twist-Enden mit Aliens oder Zeitreisen, irgendetwas in die Luft sprengen oder anzünden, vielleicht sind die beiden Hauptrollen die gleiche Person, vielleicht spielt alles in der fernen Zukunft, alles war nur ein Traum, alles war doch nicht nur ein Traum, …

Alexander Payne hat seinerseits genug von konventionellen Mitteln und geht so weit, seinem Familiendrama einen Hawaiihemd-Dresscode zu verpassen.

___ಠ_ಠ___

Kalenderwoche 2 — The Descendants

Die polynesischen Inseln sind ganz schön verwirrend. Aloha, Honolulu und Kauai sind nur ein paar der Schlagworte, die für mich selten mehr als einen exotischen Namen für billige Bars und schlechte Fast-Food-Menüs darstellen. Um die Hintergrundgeschichte von The Descendants so richtig zu verstehen, hätte ich nämlich einen beachtlichen Zeitraum in der Wikipedia verbringen müssen – habe ich aber nicht, weil sie völlig egal ist.

George Clooney ist Matt King, ein hart arbeitender Rechtsanwalt und Wahl-Erbe einer sehr wohlhabenden hawaiianischen Familie, die mitten in einem riesigen Deal um noch riesigeren Grundbesitzt steckt. Er selbst darf in Kürze die Entscheidung zwischen dem Verkauf zum Wohl seiner Familie (ergo: seines Kontostands) und dem Erhalt der paradiesischen Natur treffen.

Seine Frau mag Jetskis, kann aber nicht gut genug damit umgehen um sich vor Unfall und Koma zu schützen. Weil auch kokosmilchschlürfende Ärzte mit Blumenkette realistisch bleiben müssen, soll demnächst der Stecker gezogen werden. Das muss King erstens selbst verkraften und zweitens seinen Töchtern Alexandra (Shailene Woodley, Rebellenrolle, hübsch, mein Jahrgang) und Scottie (Amara Miller, wesentlich jünger, ratlos und wütend) beibringen.

Drittens stellt sich heraus, dass er von seiner Frau betrogen wurde (als sie noch bei Bewusstsein war), wodurch die Liste der über den Trauerfall zu unterrichteten Personen um den Lover wächst und seine Reise von Insel zu Insel, die Gespräche mit Angehörigen und Freunden sowie die Suche nach besagtem Stecher zum zentralen Element der Story werden.

"Das könnte eines Tages alles euch gehören." - "Meh."

Ich war zu keinem Zeitpunkt sicher, ob ich die eigentlich sehr emotionale Geschichte ernst oder mit einem Augenzwinkern aufnehmen sollte. Was gibt mir ein Film, in dem zwischen wichtigen und bewegenden Szenen, in denen beispielsweise Vater-Tochter-Beziehungen in die Brüche gehen und wieder aufgebaut werden oder ein Kind zum ersten Mal mit seiner komatösen Mutter konfrontiert wird, unglaublich dämliche Witzchen platziert werden, die sofort jede Glaubwürdigkeit nehmen? Im Zwiespalt zwischen dem Druck auf die Tränendrüse und den lustigen Klängen der Ukulele bleibt bei The Descendants ein Gefühlsbrei übrig, mit dem ich wenig anfangen konnte.

Zu King und seinen Töchtern gesellt sich Sid, eine muskulöse Teenager-Version des Lebowski-Dudes (dessen Bruder übrigens einen habgierigen und sympathischen Cousin von King spielt), der auf der Suche nach dem Lover ebenso für Lacher beim Popcorn-Publikum wie für komplette Zerstörung der intimeren Momente sorgt. Ein paar Auflockerungen sind vollkommen okay, doch braucht besonders ein Drama nicht unbedingt einen Jar Jar Binks.

Das Verdikt

“The Cloon” ist in Höchstform und wertet den Film durch seinen Balance-Akt auf dem schmalen Grat zwischen Lachern und Ernsthaftigkeit – ich verweise auf die Szene mit der Hecke – so gekonnt auf, dass mich Oscar-Nominierungen nicht verwundern würden. Hier war zwar genug gutes Material vorhanden, um ein hervorragendes Familiendrama auf die Beine zu stellen, doch wurde leider nicht mehr daraus als ein langweiliger Versuch, den Zuschauer permanent zwischen Kummer und Kichern hin und her zu scheuchen.

Update: Und in der Tat hat The Descendants zwei Golden Globes (an den Film selbst fürs beste Drama und an George Clooney für die beste Darstellung in einem Drama) abgestaubt. You heard it here first!

Sneak-Review — I Don’t Know How She Does It

Bevor es los geht kommt hier schonmal ein Konzept zur Fortsetzung: “I Don’t Know How HE Does It”. Mit mir selbst in der Rolle des waghalsigen Protagonisten, der für diesen Unsinn ECHTES Geld bezahlt und ihn anderthalb Stunden lang über sich ergehen lässt. Viel schlechter kann’s ja nicht werden.

Hier bitte ein lautes Wiehern im eigenen Kopf abspielen.

Kalenderwoche 45 — I Don’t Know How She Does It

Sarah Jessica Parker ist Kate Reddy, eine Finanzbeamte mit Traumgehalt, zwei Kindern und Ehemann, einem riesigen Haus inklusive Babysitter und Hang zur Egomanie. Wenn sie nicht gerade Geld verdient, um für Brot auf dem Tisch zu sorgen, wechselt sie Windeln, backt Kuchen, fährt ihre Nachkömmlinge zur Schule oder spricht in Richtung der Kinobesucher.

Statt sich an ihrem verhältnismäßig glorreichen Leben (hallo Finanzkrise) zu erfreuen, ist sie im Dauerstress, weil sie zwischen Schnullern und Backmischung um beruflichen Aufstieg bemüht ist. Zusammen mit Chef Jack, gespielt von Pierce Brosnan, der hier – Spoiler – ohne Jetpack und Kugelschreiberpistole auftritt, tourt sie von einem Meeting zum nächsten, reißt zwischendurch lahme Witze über Oralverkehr und für dabei fast so interessant wie die deutsche Reitspringmeisterschaft 2004. Haha, Pferdewitz.

Wer Sex And The City mag, wird mit I Don’t Know How She Does It sicher mehr anfangen können als Menschen mit minimalem Anspruch an Filme. Ein völlig Hollywood-verzerrtes Frauenbild macht die Entscheidung schwer, ob es sich hier um den gescheiterten Versuch einer dramatischen Darstellung des weiblichen Durchhaltevermögens oder die Parodie eines ganzen Geschlechts handelt. Die titelgebende Frage wird von einer weiteren in den Schatten gestellt: Warum sollte sich der Durchschnittsmensch auch nur im Geringsten für die Problemen der Hauptrolle interessieren? Klar wird sich hier und da jemand finden, der sich mit Kate identifizieren kann, dennoch kommt dabei nie mehr raus als eine filmische Umsetzung lauter, wehleidiger Gespräche zwischen Müttern, die die Konsequenzen ihrer Befruchtungen in die Welt schreien.

Düstere Aussicht: Die vernebelte Mischung aus dem Drama einer Existenz zwischen Familie und Karriere sowie den Klischee-Zutaten romantischer Komödien, die dieses im Keim ersticken.

Ein kleiner Lichtblick: Busy Philipps, die seit Freaks & Geeks bei mir Immunität besitzt, als feindliche Arschlochmutter, die den größten Teil ihrer Screentime auf einem Laufband verbringt.

An dieser Stelle gestehe ich, keinen einzigen James-Bond-Film gesehen zu haben. Dass wir diesem Kerl den revolutionären N64-Shooter "Goldeneye" (hieß der Film genau so?) zu verdanken haben, ist Grund genug, ihm hier Platz für ein sexy Händewedeln zu schaffen.

Der Name des anderthalbstündigen Dilemmas macht fast Hoffnung, eine weitere Fortsetzung zu I Know What You Did Last Summer zu sein. Vielleicht mit Sarah Jessica Parker als eiskaltem Serienkiller? Und dann wissen wir, was sie getan hat, nur halt nicht genau wie. Würde sich doch wunderbar in die totgefahrene Mutter-Banker-Doppelleben-Sache einfügen. Alternativ hätten sie die furchtbar gestresste und übermotivierte Nervensäge spontan zum Mordopfer machen können. “Oh Gott oh Gott, ich muss noch die Kinder von der Schule abholen!” – “JETZT HALT ENDLICH DIE FRESSE!” – Schnitt, Axt, Schnitt, Mutti neben Blackberry und Apfelkuchen im eigenen Blut. Aber nein, auch der letzte Funken Spaß bleibt uns verwehrt.

Das Verdikt

Ich bin traurig und dankbar. Traurig, weil ich zwar andere Meinungen respektiere, hier rein objektiv aber wenig ausmachen konnte, für das sich das Ansehen lohnen würde. Dankbar, weil schlechte Filme die guten so viel besser aussehen lassen. Mir fällt kein Grund ein, I Don’t Know How She Does It nicht spätestens beim Verlassen des Kinosaals aus dem Gedächtnis zu entfernen. Und wer gezwungen wird, sich den Film zusammen mit Freundin, Schwester oder Mutter anzusehen, sollte sich vielleicht eine neue suchen.

Sneak-Review — The Thing

Okay. Weil uns nichts neues einfällt, wärmen wir einen Film auf, der in den Achtzigern groß war. Ein Remake zu machen wäre fatal, weil die Fans dann “GAB’S SCHON! KACKE!” schreien. Vielleicht tun wir auf “Wie alles begann” und übernehmen die Story trotzdem komplett? Ein Remake-Prequel? Ein Premake? Ein Requel? Oh, und lasst den alten Namen stehen, vielleicht merkt’s ja keiner.

The Thing 1

Kalenderwoche 44 — The Thing

Kate Lloyd (Mary Elizabeth Winstead) ist eine junge Wissenschaftlerin, die auf Dinge-aus-dem-Eis-holen-und-angucken spezialisiert ist und sich sehr glücklich schätzen kann. Nicht nur, dass sie die einzige Rolle erwischt hat, die länger als fünf Sekunden vom Film erklärt wird: Sie wird auch noch dazu eingeladen, in der Antarktis ein ganz besonderes Stück gefrorenes Etwas zu untersuchen. Da haben ein paar Norweger nämlich ein Alien gefunden, gleich neben dem gigantischen Raumschiff.

Die unbekannte Spezies der dritten Art wird aus dem Eis geschlagen und zum Auftauen sowie Untersuchen in eine Holzhütte gelegt. Es kommt, wie es kommen muss: das Ding reißt aus und verhält sich äußerst unartig. So fährt es Spinnenbeine und Stacheln aus, zerfetzt willkürlich nett singende Skandinavier und nimmt deren Identität an. Ohne ersichtliche Unterscheidungsmerkmale zwischen Menschen und Monstern versucht das Forschungsteam, den Alien-Virus an der Verbreitung zu hindern.

Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden The Things aus 1982 und 2011: keiner. Der neue hört da auf, wo der alte anfängt. Namen und Geschlechter der Charaktere variieren, doch beide Forschergruppen durchleben den gleichen Weltraummutantenwahnsinn. Dass sich die Macher in Sachen Story einschränken, wenn sie den grunderneuerten The Thing als Vorgeschichte fungieren lassen, ist klar. Das bedeutet allerdings nicht, dass schnell Langeweile aufkommt. Damit das neue Team das alte finden kann, muss nämlich ordentlich gestorben werden. Diesmal eben durch 3D-generierte Alien-Ausgeburten statt durch Gummi-Attrappen.

Schön ist, dass einige Details aus dem Original bewusst zitiert werden, so zum Beispiel die aliensaftbeschmierte Axt in der Wand oder die Kiste mit Granaten. Auseinanderspaltende Köpfe, blutige Tentakel und fiese Monster aus zusammengemorphten Leichen sorgen für ordentlich Ekel, verdrängen aber die wenigen echten Schocker, die einem Film wie diesem gut tun.

The Thing 2

The Thing ist wie Dead Space minus Weltraum plus kaltes Schmuddelwetter. Das “Wer ist infiziert und wer nicht”- bzw. “Wer stirbt als nächstes”-Fragespiel sorgt dafür, dass die gut 100 Minuten Filmmaterial relativ spannend vorüberziehen. Wie schon in der Vorlage wird nicht viel Wert auf Charakterentwicklung gelegt, was hinsichtlich des Genres wirklich keine Schande ist.

Gutes Ding: Winstead macht sich als hartes Mädchen am Flammenwerfer echt gut und spielt endlich eine etwas anspruchsvollere Rolle als das Nerd-Girl mit pinken Haaren oder die billige Cheerleaderin.

Meh: Schlechtes Sound-Design mit VIEL zu lauten Alien-Schreien, die sich mit bei lautem Kinosound wie Klospülungen im Gitarrenverstärker anhörten; Ein namen- und charakterloses Roster aus Schauspielern, deren Rollen selten über “Norweger, bärtig, kommt gut mit kaltem Wetter klar” hinausgehen.

Das Verdikt

Betrachten wir den Urwald schlechter Remakes, der das amerikanische Kino in kürzester Zeit durchwuchert hat, stellen wir fest, dass The Thing eines der etwas besseren Beispiele darstellt. Der Film sieht gut aus und weiß auf altbewährte Art und Weise zu unterhalten, ist dabei aber nicht annähernd so bahnbrechend wie die 30 Jahre ältere Vorlage.

Ein Thing-Remake funktioniert ungefähr wie die zehntausendste Fortsetzung von Final Destination. (Gar nicht so verwunderlich, dass Drehbuchautor Eric Heisserer auch für Final Destination 5 und das Freddy-Remake verantwortlich ist.) Hier wird alles schön auf die aktuelle Technik angepasst und dann das beste gehofft. Genre-Fans und ahnungslose Sneak-Besucher müssen sich den Kram ja sowieso ansehen.

Bekommt man für sein Geld genug Ekel und Unterhaltung, um sich nicht permanent nach dem tollen Original zu sehnen? Ja. Hätte die Welt diesen Film unbedingt gebraucht? Nee. Ich find’s okay.

Sneak-Review — One Day

Wer so einige Augen zudrücken, auf permanente Bestrahlung durch Superhelden-Actionfilme und Grindhouse-Splatter verzichten kann und seiner Freundin seit Urzeiten einen Kinobesuch schuldet, ist hiermit herzlich dazu eingeladen, seine Seele an eine furchtbar schnulzige Romantik-Komödie zu verkaufen.

Und jetzt machen wir die Augen zu, stellen sie uns im Lackanzug vor und hauchen leise 'Catwomaaaaaaaan'.

Kalenderwoche 43 — One Day

Emma (Anne Hathaway) und Dexter (Jim Sturgess) treffen gegen Ende der Achtziger und stockbesoffen am Tag ihrer Abschlussfeier aufeinander. Was auf eine romantische Nacht abzielt, wird zu einer harmlosen Übernachtungsaktion mit seltsamer Atmosphäre, bei der sich die beiden Engländer die Freundschaft schwören. Der 15. Juli wird zu ihrem Jahrestag, an dem sie sich über zwei Jahrzehnte hinweg immer wieder sehen, vermissen, näher kommen und verlieren werden.

Eine nette Sache, die One Day von all den anderen ewig gleichen Liebeskomödien abhebt, ist der außergewöhnliche Erzählstil. Episodenweise werden Szenen gezeigt, die am gleichen Tag aufeinanderfolgender Jahre spielen. Viel zu große und auffallend hässliche Typografie weist den Zuschauer durch Einblendung der Jahreszahl darauf hin, dass ein neuer Abschnitt beginnt. Und weil ein 20 Jahre andauernder Filmdreh die Kosten in astronomische Höhen schießen würde, wird versucht, die Handlung durch zahlreiche Wechsel von Schausplätzen und Frisuren sowie Kleidungsstilen der Hauptdarsteller glaubhafter zu machen. Die Vermutung, dass Handlungssprünge in Jahresschritten verwirren, liegt nahe, allerdings wird hier alles in flüssige Übergänge portioniert und ordentlich vorgekaut.

Eine dermaßen weit gespannte Story sorgt unausweichlich dafür, dass sich ihre Charaktere entwickeln. Emmas Traum vom Leben als Lehrkraft platzt vorerst, als ihr Schicksal ihr einen Vollzeitjob in einem mexikanischen Fast-Food-Restaurant beschert. Hier lernt sie ihren späteren Mitbewohner Schrägstrich Lebensgefährten Callum (Tom Mison, furchtbar überspitzt schauspielernd) kennen, der das fehlende Stück im obligatorischen Liebesdreieck bildet. Währenddessen wird Dexter zunächst eine kurzzeitig erfolgreiche Karikatur eines TV-Moderators, später Mitleidsmaschine mit krebskranker Mutti und gescheiterter Karriere.

WENN ES BLOSS 'ONE DAY' GEBLIEBEN WÄRE, WER SOLL DAS BITTE ÜBER ZWANZIG JAHRE HINWEG AUSHALTEN?

Yay: Anne Hathaway sieht – von ein paar früheren Szenen mit entstellender Hornbrille, ganz fabelhaft aus und liefert erneut so einige Gründe, sich auf den neuen Batman zu freuen; das Schicksal ihrer Rolle zum Ende des Films ist vorhersehbar, aber wirkungsvoll dargestellt; Bilder, Drehorte und Soundtrack des Films wissen um einiges mehr zu überzeugen als die darin platzierten Lahmarsch-Charaktere.

Nay: Trotz all ihrer Ansehnlichkeit bleibt Anne Hathaways gespielter britischer Akzent ein Armutszeugnis für alle, die sich One Day im O-Ton ansehen; Klischeebehaftete und überspielte Charaktere nehmen selbst den besseren und wichtigeren Szenen jede Ernsthaftigkeit; Es wird schwer, den beiden so verschiedenen und auf eigene Art und Weise so selbstständigen Charakteren abzukaufen, irgendetwas füreinander zu empfinden.

Das Verdikt

One Day benutzt zugegebenermaßen einen relativ erfrischenden Weg, die gute alte Liebesdrama-Leier auf die Leinwand zu bringen. Seine Buchvorlage ist ein Bestseller, der von seinen Lesern vor allem für die Tiefe der Charaktere geschätzt wird. Im Film der Regisseurin Lone Scherfig (ebenfalls für den großartigen An Education verantwortlich) bleibt davon leider nicht viel hängen.

Am Ende bleibt ein Film übrig, der zwar ambitioniert scheint, seine Charaktere auf möglichst epische und bedeutungsschwangere Art und Weise zu entwickeln und frischen Wind ins Genre zu bringen, unterm Strich aber nicht genug Gefühl und Eindruck hinterlässt, um im Gedächtnis zu bleiben. Nächstes Jahr dann bitte was besseres.

Sneak-Review — Contagion

Schnupfen hat jeder. Ab und zu ist man aber auch so richtig krank und spielt im Kopf Detektiv: Welche erkälteten Personen waren in der Nähe, welche Türgriffe wurden unvorsichtig angefasst, wann genau war der Moment der Infektion? Steven Soderbergh (der mit den Oceans-Filmen) hat sich eine fiese Krankheit ausgedacht, halb Chicago daran verrecken lassen und das Ganze Contagion genannt.

Eine der wenigen Szenen, die mir so richtig gef... WER WIRFT DENN SO EINE HÜBSCHE DECKE WEG??!

Kalenderwoche 42 — Contagion

Der Film beginnt mit dem Husten von Beth (Gwyneth Paltrow), die von einem Hong-Kong-Trip zu Ehemann Mitch (Matt Damon) nach Chicago zurückkehrt. Kurz nach der Ankunft verschlimmert sich ihre Krankheit drastisch, sie stirbt, wir sehen einen dramatischen Zusammenschnitt weiterer mysteriöser Todesfälle im Rest der Welt. Es ist die Schweinegrippe hoch fünftausend. Während Wissenschaftler (Kate Winslet und Lawrence Fishburne) im Zentrum zur Krankheitskontrolle und -bekämpfung zu verstehen versuchen, was passiert, kümmert sich der immune Mitch in der in Panik versetzten Stadt ums Überleben seiner Tochter.

Contagion hat neben hochkarätiger Besetzung alles, was zum Seuchenfilm mit Rang und Namen dazugehört: Supermärkte werden geplündert, Massengräber geschaufelt, auch die obligatorischen Labor-Affen geben sich die Ehre. Im Wechsel werden in mehreren Handlungssträngen Einblicke in die Schicksale von Politikern, Wissenschaftlern und Familien geliefert. Statt wilder Infizierter, die den Überlebenden in den Hals beißen, ist der Film die Stimme der Vernunft, das “Was wäre wenn?”-Szenario. Wir sehen den Prozess der Herstellung einer Impfung im Rennen gegen die Zeit. Horror gibt es hier keinen, dafür einen dokumentarischen Thriller, der so erwachsen, trocken und realistisch bleibt, dass sich 28 Days Later im Grabe drehen würde.

Benign: Szenen wie im Bild oben, die Chicago in wunderschöner Apokalypse erblühen lassen; der elektronische Soundtrack von Cliff Martinez, der schon für Drive hervorragende Arbeit leistete; Gwyneth Paltrows Autopsie, in der sie ihr den Kopf aufschneiden und den Skalp lappenweise übers Gesicht ziehen (sie hat’s echt nicht leicht); der Sprung ins Geschehen zu Beginn des Films – warum auch groß erklären, wenn die tolle Promo so gut vorgesorgt hat.

Malign: langweilige Charaktere, deren Handlungsstränge komplett weggelassen werden könnten; verzweifelte wissenschaftlich Korrektheit, die sich selbst jeder Spannung beraubt; Jude Laws zum Nichtsnutz erklärter Blogger-Charakter (gut so! Dreckspack!), bei dem ich trotz wahnsinnigen Potenzials für eine gute Story noch immer nicht verstanden habe, ob er mit seinem alternativen Heilmittel Underdog-Messias oder Hochstapler im ganz großen Stil sein soll.

Nein, Morpheus erschießt keine Psychoseuchenzombies. :(

Das Verdikt

Contagion zeigt schön, wie schnell und auf welchen Wegen sich ein Virus verbreiten kann, wie die Wissenschaft damit umgeht und wie völlig normale Menschen das alles erleben und erleiden. Besser wäre es gewesen, hätte die Story da angesetzt, wo sie aufgehört hat: mit verfeindeten Gesellschaftsklassen, Ungewissheit ums Bestehen der Menschheit und Fallstudien über Aufopferung und Überlebenswillen. Zusammenfassend lässt sich sagen: Ich ging mit Hunger auf Adrenalinschübe ins Kino und mit etwas sensiblerem Sinn für Hygiene wieder raus.

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